Basın özgürlüğü – Pressefreiheit

Als das „weltweit größte Gefängnis für Journalisten“ bezeichnet die Organisation Reporter ohne Grenzen die Türkei. Momentan sitzen dort 69 Journalisten im Gefängnis. Die meisten von ihnen sind aufgrund eines umstrittenen Antiterror-Paragrafen angeklagt.

Es kann gefährlich sein, in der Türkei als unabhängiger Journalist zu arbeiten: Nicht nur die Berichterstattung über Tabuthemen (Kurden, Armenien), auch das Aufdecken von gesellschaftlichen Missständen führt schnell dazu, dass der Journalist selbst ins Visier der Justiz gerät. So nimmt unter der Regierung Erdoğan die Selbstzensur der Medien immer weiter zu.

Carl von Ossietzky schrieb einst: “In Deutschland gilt derjenige als viel gefährlicher, der auf den Schmutz hinweist, als der, der ihn gemacht hat.”        Gilt das heute für die Türkei?

Im September letzten Jahres begann in Istanbul ein Massenprozess gegen 44 Journalisten, die meisten sind Mitarbeiter linker oder prokurdischer Medien. Ihnen wird Propaganda für die Union Kurdischer Gemeinschaften (KCK) vorgeworfen. Die Justiz betrachtet die KCK als zivilen Arm der PKK. Unter den Angeklagten ist auch Hüseyin Deniz, der in Berlin als Korrespondent der türkischen Tageszeitung Evrensel gearbeitet hat. Er wurde im Dezember 2011 bei einem Türkeibesuch festgenommen und sitzt seitdem in Untersuchungshaft.

Ich hoffe, dass die Angehörigen von Herrn Deniz sich bereit erklären werden, mit mir zu sprechen – und bin weiter auf der Suche nach Journalisten, die mir von ihrer Zeit in Haft berichten und davon, wie sich unter solchen Bedingungen journalistisch arbeiten lässt.

Und die andere, die offizielle Seite? Wer könnte mir die Sicht der Regierung am besten erklären? Nach offiziellen Angaben sitzt in der Türkei nämlich kein einziger Journalist wegen seiner Arbeit in Haft.