TÜVTurk

“Es tut mir leid, die Ohren ihres Esels hängen zu weit vor seine Augen. So kann ich ihn nicht auf die Straße lassen.”

Ab diesem Jahr soll der Fuhrpark der türkischen Bevölkerung technisch auf dem Niveau sein, den die Europäische Union für ihre Mitgliedsstaaten festgelegt hat. Das hat die türkische Regierung vor fast 20 Jahren beschlossen. Da der Staat aber seinem eigenen Kontrollbetrieb, der als äußerst korrupt galt, über den Weg traute, soll ein Unternehmen für die türkische Verkehrssicherheit sorgen, für das akribische Korrektheit das Kerngeschäft ausmacht, und dessen Emblem Vertrauen herstellt wie kein zweites: Der TÜV Süd.

Seit 2005 arbeitet die bayrische Firma mit einem türkischen Bauunternehmen und einem Autoimporteur daran, den Verkehr sicherer zu machen – aktuell sterben rund vier mal so viele Menschen in der Türkei an Verkehrsunfällen wie in Deutschland. 189 feste Prüfstationen sollen dazu aufgebaut werden, zusätzlich 81 mobile, um das dünn besiedelte Hinterland kontrollieren zu können. Hunderte Kontrolleure werden ausgebildet. Zunächst wurde eine Übergangszeit mit entschärften Auflagen beschlossen, schätzungsweise 70 Prozent der Fahrzeuge hätten sonst aus dem Verkehr gezogen werden müssen. Dieses Jahr wird es ernst, die Zugeständnisse fallen weg. Wenn die Bremse nicht greift, der Auspuff zu laut röhrt oder die Scheibe einen Sprung hat, gibt es vier Wochen Zeit um nachzubessern. Sonst ist der Wagen weg.

Wie reagieren die Türken, wenn man ihnen ihr Auto wegnimmt? Wenn sie Richtlinien der EU erfüllen müssen, von der sie vielleicht garnichts (mehr) wissen möchten? Welche Szenen spielen sich ab, wenn türkisches Temperament auf deutsche Zollstöcke trifft?