Es bestehen große Berührungsängste.
Auch ich hatte bisher wenig Kontakt mit Türken, obwohl in meiner Heimatstadt sehr viele leben. Doch die einzigen, die ich jemals wirklich kennengelernt hatte, waren zwei Mädchen aus meiner Schulklasse, die ich nach dem Abitur aber auch nie wieder gesehen habe.
Seit ich weiß, dass wir nach Istanbul fahren, rückt die Türkei plötzlich näher. Als ob sie von einem Magnet angezogen würden, bin ich in den letzten Wochen immer wieder Türken begegnet und lernte sie mit anderen Augen zu sehen.
Und nun lernen wir sogar Türkisch: Günaydin, benim adım Nicole. Teşekkür ederim. Iyi akşamlar.
Das alles haben wir in nur drei Stunden bereits gelernt. Zumindest Begrüßung, Dank und Abschied sollten so in Istanbul schon einmal klappen.
Und während ich noch mit Vokalharmonie und Deklinationen kämpfe, sitzen wie bestellt zwei türkische Mitfahrerinnen in meinem Auto auf dem Weg in die Osterferien. Sie haben sichtlich Freude daran, meine handvoll türkischen Vokabeln mit mir zu üben und versuchen meinen Wortschatz noch ein wenig zu bereichern. Benim kardeşim yok. Ich habe keine Geschwister. Das ruft erstmal ein langes Gesicht bei der Dame auf meinem Sozius hervor, die aus Adana stammt und gleich mit acht Brüdern und Schwestern aufwarten kann. Zumindest das Stereotyp, dass viele Türken ausgemachte Familienmenschen sind, scheint zu stimmen.
Benim annem ve baba var, bringte meine Mitfahrerin mir bei. Na, immerhin hab ich Mama und Papa.








