Das Viertel Tarlabasi: Arme raus, Reiche rein

Seit Jahrzehnten ist es das Zuhause von Kurden, Roma, Transvestiten und Outlaws. Doch wie in vielen Metropolen, geht auch im bunten Istanbuler Viertel Tarlabasi das Gespenst namens Gentrifizierung um.

Seit 2007 wird Tarlabasi, das zum hippen Stadtteil Beyoglu gehört, nach und nach abgerissen und seine alteingesessenen Bewohner vertrieben. Notfalls auch mit Wasserwerfern. Denn das heruntergekommene Armenviertel liegt zentral und passt nicht ins Bild der aufstrebenden Megacity. Vor allem aber ist die Lage wertvoll. Daher sollen dort schicke und teure Immobilien hochgezogen werden.

Klar, Gentrifizierung ist ein Thema zu dem wohl Einwohner fast jeder Metropole ein Lied singen können. Es läuft immer gleich: Erst sind da die sozial Schwachen, die in heruntergekommenenen Altbauvierteln leben, den Charme erkennen irgendwann die mittellosen Studenten, dann kommen Hipster und die Künstler and so on. Aber noch leben viele Alteingesessene in Tarlabasi. Und klar wird oft darüber geschrieben. Ich finde es dennoch spannend, was hier passiert. Erste Recherchen endeten in einer Sackgasse. Nach einem neuen Anlauf bin ich irgendwann auf die in Istanbul lebende Journalistin Constanze Letsch gestoßen. Sie lebt hier seit 2006 und arbeitet an ihrer Doktorarbeit über Tarlabasi und untersucht, wie die Menschen mit den Auswirkungen umgehen, die das Stadterneuerungsprojekt auf das soziale Netzwerk der Bewohner von Tarlabaşı hat und geht der Frage nach, welches Konfliktpotential dadurch entsteht. Ich würde gerne mehr über ihre bisherigen Ergebnisse erfahren. Leicht zu erreichen war Constanze Letsch jedoch nicht. Ein Gespräch hat sie in Aussicht gestellt. Der Montag wird’s hoffentlich zeigen.

Nach Abschluss des Restaurierungsprojekts Tarlabasi wird das Gesicht des Viertels ein anderes sein: