Servus, Bosporus! » Auf einen Çay mit… http://reporterreisen.com/servus-bosporus Reporter reisen an den Bosporus Fri, 13 Sep 2013 19:20:44 +0000 de-DE hourly 1 http://wordpress.org/?v=3.5.1 „Das Brot hier ist nicht so gut wie in Deutschland, dafür ist das Wetter besser“ http://reporterreisen.com/servus-bosporus/2013/07/15/das-brot-hier-ist-nicht-so-gut-wie-in-deutschland-dafuer-ist-das-wetter-besser/?utm_source=rss&utm_medium=rss&utm_campaign=das-brot-hier-ist-nicht-so-gut-wie-in-deutschland-dafuer-ist-das-wetter-besser http://reporterreisen.com/servus-bosporus/2013/07/15/das-brot-hier-ist-nicht-so-gut-wie-in-deutschland-dafuer-ist-das-wetter-besser/#comments Mon, 15 Jul 2013 04:39:45 +0000 Ariana Zustra http://auf3th.de/servus-bosporus/?p=1212 Bei einem Besuch in Istanbul bekommt man nicht unbedingt nur Fladenbrot oder Sesamkringel vorgesetzt. Wer auf deutsches Vollkornbrot nicht verzichten kann, sollte in der Josefine Café & Bäckerei in Fenerbahçe vorbeischauen.

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„Brot wie bei uns findet man sonst nirgendwo in Istanbul“: Birgül Aksu verkauft deutsches Brot in Istanbul (Foto: Ariana Žustra)

„Brot wie bei uns findet man sonst nirgendwo in Istanbul“: Birgül Aksu verkauft deutsches Brot in Istanbul
Fotos: Ariana Žustra

Sie verkaufen typisch deutsche Backwaren in einer Istanbuler Bäckerei. Wie kam es dazu?

Für Naschkatzen: Die Josefine Café & Bäckerei serviert deutsche und türkische Süßspeisen (Foto: Ariana Žustra)

Die Bäckerei hat Deniz Barış 2008 gegründet, ein Fußballspieler von Fenerbahçe. Er hat sie sogar nach seiner Tochter Josefine benannt. Deniz ist in Hamburg aufgewachsen und wollte eine Bäckerei in Istanbul mit gutem, deutschem Brot haben. Seitdem er in Antalya lebt, schmeiße ich den Laden. Backen kann ich nicht, aber ich kann gut verkaufen.

Sie sprechen Deutsch. Wo haben Sie es gelernt?

Meine Eltern sind 1973 nach Nürnberg ausgewandert, dort bin ich zur Schule gegangen. 1985 sind wir nach Istanbul zurückgekehrt. Das Brot hier ist nicht so gut wie in Deutschland, dafür ist das Wetter besser.

Was haben Sie denn in Ihrer Bäckerei zu bieten?

Zum Beispiel Brot aus 80 Prozent Roggenmehl, mit Sonnenblumenkernen, Walnüssen, Mehrkorn, Vollkorn. So was findet man hier nirgendwo.

Was ist bei den Kunden besonders beliebt?

Das typisch deutsche Roggenbrot der Josefine Café & Bäckerei bleibt tagelang saftig (Foto: Ariana Žustra)

Brezn sind heiß begehrt. Leider können wir seit zwei Jahren keine mehr herstellen, weil unsere Bäcker nach Deutschland zurückgekehrt sind. Damals hatten wir ein größeres Angebot: Berliner, Baguette, Bienenstich, Croissants, Linzer Torte, Zwiebelkuchen. Jetzt arbeitet hier ein einheimischer Bäcker, der diese Sachen nicht drauf hat. Außerdem ist unsere Backstube zu klein. Egal, dafür ist unser Käsekuchen sehr beliebt.

Worin unterscheidet sich türkisches von deutschem Brot?

Türkisches Brot ist oft knautschig. In Deutschland gehören viele verschiedene Brote zu jedem Essen. In der Türkei ist Brot nur zweitrangig. Hauptsache, die Mahlzeit ist warm.

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„Ich bin 170 Kilometer rückwärts gelaufen“ http://reporterreisen.com/servus-bosporus/2013/07/15/ich-bin-170-kilometer-rueckwaerts-gelaufen/?utm_source=rss&utm_medium=rss&utm_campaign=ich-bin-170-kilometer-rueckwaerts-gelaufen http://reporterreisen.com/servus-bosporus/2013/07/15/ich-bin-170-kilometer-rueckwaerts-gelaufen/#comments Mon, 15 Jul 2013 04:31:10 +0000 Felix Austen http://auf3th.de/servus-bosporus/?p=1249 Özgür Gürbüz kämpft gegen den Bau des ersten türkischen Kernkraftwerks. Bei einem Çay erzählt er von deutschen Einflüssen auf die türkische Umweltbewegung, türkischer Protestkultur und ungewöhnlichen Maßnahmen.

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Bevorzugt die Kraft der Sonne: Özgür Gürbüz

Bevorzugt die Kraft der Sonne: Özgür Gürbüz
Foto: Eric Vazzoler

Herr Gürbüz, in der Türkei gibt es kein Atomkraftwerk. Warum protestieren Sie trotzdem gegen Kernenergie?

Im Süden der Türkei, in der Nähe von Mersin, soll ein Atomkraftwerk gebaut werden. Das ist schon seit den Siebzigern geplant. 2000 wurde das Projekt abgebrochen, die AKP nahm es 2004 wieder auf, und bis 2020 soll es fertig sein. Aber das werden sie natürlich nicht schaffen, wir werden sie aufhalten.

„Wir“, das ist die Anti-Kernkraft-Plattform, für die Sie arbeiten. Wer ist das, was machen Sie?

Rückwärtsgewandt: Gurbuz auf seinem 170-Kilometer-Marsch (Foto: Privat)

Die Plattform ist ein Bündnis von über 100 Einzelpersonen, Parteien und Nichtregierungsorganisationen, die sich gegen Atomkraft und Atomwaffen in der Türkei wendet. Wir veröffentlichen Pressemitteilungen und organisieren Protestmärsche. Ich bin für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig, Twitter, Facebook und die Homepage. Das ganze Bündnis arbeitet ehrenamtlich.

Wie steht die türkische Gesellschaft zur Atomkraft?

Bei Umfragen sprechen sich fast siebzig Prozent der Türken gegen Atomkraft aus. Das Problem ist, dass die Leute Umweltprobleme nicht mit Politik verbinden und trotzdem die AKP wählen, die Kernkraftwerke bauen will. Auf Demonstrationen kommen oft nicht viele Menschen. Sie wissen nicht, wie sie ihren Unmut zeigen sollen.

Deutschland ist die Wiege des Protests gegen Atomkraft. Dient es als Vorbild?

Natürlich hat Deutschland einen großen Einfluss. Deutschland und die Türkei haben zum Beispiel ähnliche Voraussetzungen, was die Ressourcen angeht. Mit Greenpeace, wo ich früher gearbeitet habe, haben wir uns für ein Energieeinspeisegesetz nach deutschem Vorbild eingesetzt, das inzwischen in der Türkei gilt. Gewisse Dynamiken sind unterschiedlich: In Deutschland muss sogar die CDU auf die Demonstranten hören, in der Türkei müssen sie überhaupt nicht reagieren, obwohl 70 Prozent gegen Atomkraft sind. Viele Türken haben eine Verbindung nach Deutschland, und auf Freunde hört man hier gerne.

Sie arbeiten für die Atom-Plattform, sind Mitbegründer der grünen Partei in der Türkei, haben bei Greenpeace gearbeitet, und schreiben als Journalist über Umweltthemen. Woher kommt die Passion?

Als ich vierzehn war, passierte die Tschernobyl-Katastrophe. Die radioaktive Wolke verseuchte auch den Tee an der Schwarzmeerküste. Meine Mutter rannte von Laden zu Laden um teuren, nicht verseuchten Tee aus Thailand oder Indien zu kaufen. Da wurde mir zum ersten Mal das Thema Umweltschutz bewusst. Später hatte mein älterer Bruder großen Einfluss auf mich, er war Anarchist. Zusammen machten wir eine Straßenzeitung. Als die Leute mir Fragen stellten, habe ich gedacht: Ich muss mehr darüber wissen, um ihnen antworten zu können. Meine größte Protestaktion habe ich 1995 gemacht: Ich bin 170 Kilometer rückwärts von Mersin nach Akkuyu gelaufen, dem geplanten Standort des Kernkraftwerks. Ich wollte damit zeigen, dass Atomkraft ein Rückschritt ist. Auf dem Weg habe ich bestimmt mit tausenden Menschen darüber geredet. Das war die beste Zeit meines Lebens.

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„Meine besten Jahre habe ich in Deutschland verbracht“ http://reporterreisen.com/servus-bosporus/2013/07/15/meine-besten-jahre-habe-ich-in-deutschland-verbracht/?utm_source=rss&utm_medium=rss&utm_campaign=meine-besten-jahre-habe-ich-in-deutschland-verbracht http://reporterreisen.com/servus-bosporus/2013/07/15/meine-besten-jahre-habe-ich-in-deutschland-verbracht/#comments Mon, 15 Jul 2013 04:25:10 +0000 Barbara Bachmann http://auf3th.de/servus-bosporus/?p=1232 Sie kam als eine der ersten Gastarbeiterinnen nach Deutschland: Güler Erbahçivan, 69, arbeitete in einer Textilfabrik bei Stuttgart als Schneiderin. Dann zwang sie ihr Mann, in die Türkei zurückzukehren.

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„In Deutschland habe ich nur Türkisch gesprochen“ Foto: Barbara Bachmann

„In Deutschland habe ich nur Türkisch gesprochen“
Foto: Barbara Bachmann

Frau Erbahçivan, Sie sind 1963 als eine der ersten Gastarbeiterinnen nach Deutschland gekommen. Was haben Sie dort gemacht?

Ich habe sechs Jahre lang in einer Textilfabrik bei Stuttgart gearbeitet, für eine große Firma mit Schneiderinnen aus verschiedenen Ländern. Viele kamen wie ich aus der Türkei. Wir haben meist nur Türkisch gesprochen, Deutsch haben wir nicht gelernt. Ich spreche bis heute kein Wort.

Wie lange haben Sie in Deutschland gelebt?

Zwölf Jahre lang, bis zum 31. Lebensjahr. Nachdem ich drei Kinder bekommen habe, konnte ich leider nicht mehr arbeiten.

Warum sind Sie in die Türkei zurückgekehrt?

Es war die Entscheidung meines Mannes. Ich war darüber sehr unglücklich, ich habe mich in Deutschland wohl gefühlt. Oft denke ich, welchen Lauf mein Leben genommen hätte, wäre ich dort geblieben.

Wie ist es in der Türkei verlaufen?

Ich habe wieder als Schneiderin gearbeitet, aber die Bedingungen waren nicht so gut wie in Deutschland. Ich hatte Probleme, mich in die türkische Gesellschaft einzugliedern. Fünf Jahre nach unserer Rückkehr kam es zwischen mir und meinem Mann zu einer heftigen Auseinandersetzung, weil er unsere Tochter gegen meinen Willen verheiratete. Mein Mann hat sich daraufhin von mir scheiden lassen.

Sie lebten fortan alleine?

Die ersten Jahre ja, leider war ich nun völlig mittellos. Von dem hart verdienten Geld haben mein Mann und ich uns in Deutschland ein Haus und ein Auto gekauft. Nach der Scheidung hat er alles für sich behalten. Ich musste ständig arbeiten, um meine drei Kinder in die Schule schicken zu können. Eine schwierige Zeit.

Wurde sie besser?

Zwölf Jahre später habe ich noch einmal geheiratet und bis zur Pension in Textilfabriken gearbeitet. Mein zweiter Mann ist vor acht Jahren gestorben. Meine Kinder leben in der Türkei, aber seit Jahren haben wir keinen Kontakt.

Was verbinden Sie mit Deutschland?

Sauberkeit und freundliche Menschen. Meine besten Jahre habe ich dort verbracht. Deutschland war mein Zuhause.

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„Ich wollte einfach ein bisschen atmen“ http://reporterreisen.com/servus-bosporus/2013/07/15/ich-wollte-einfach-ein-bisschen-atmen/?utm_source=rss&utm_medium=rss&utm_campaign=ich-wollte-einfach-ein-bisschen-atmen http://reporterreisen.com/servus-bosporus/2013/07/15/ich-wollte-einfach-ein-bisschen-atmen/#comments Mon, 15 Jul 2013 04:05:26 +0000 Jenny Becker http://auf3th.de/servus-bosporus/?p=1241 Der kurdische Maler Mahmut Celayir hat fast drei Jahrzehnte im Exil in Deutschland gelebt. Jetzt ist er nach Istanbul zurückgekehrt. Bei einem Çay spricht er über seine ostanatolische Heimat, die Lage für Kurden in der Türkei und die deutsche Demonstrationskultur.

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Künstler Celayir: „Ich fand die Bewegung gegen Stuttgart 21 toll“ Foto: privat

Künstler Celayir: „Ich fand die Bewegung gegen Stuttgart 21 toll“
Foto: privat

Sie sind in der Türkei aufgewachsen und haben später über 20 Jahre in Stuttgart gelebt. Was ist Heimat für Sie?

Heimat ist die Natur in der Gegend, aus der ich stamme. Ich bin Kurde. Ich komme aus einem Hochland in der Osttürkei. Dort verbringe ich jeden Sommer. Ich genieße es zu laufen, zu fotografieren und im Freien zu malen. Diese Landschaft ist mein Thema als Maler. Erde, Grenze, Heimat, Licht.

Wie war es damals als Kurde in der Türkei?

Die Lage für Kurden war sehr schlimm, sehr eng. Besonders nach dem Militär-Putsch 1980. Man konnte nicht mehr atmen. Viele Bekannte und Freunde waren im Gefängnis. In meinem Dorf gab es massiv Militärkontrollen. Und jemand wie ich, der studierte, war sowieso eine potenzielle Gefahr.

Sind Sie deshalb nach Deutschland gegangen?

Ja. Ich war zwar nicht direkt politisch verfolgt, aber man konnte hier nicht reden und bekam auch keine politischen Bücher. Ich wollte einfach in einem freien Raum sein, ein bisschen atmen, und Bücher lesen über die kurdische Identität. Mit 35 Jahren bin ich nach Deutschland gegangen, das war 1986.

Seit zwei Jahren leben Sie wieder in Istanbul. Hat sich etwas verändert?

Jetzt gibt es Hoffnung, weil der Dialog zwischen Kurden und Türken begonnen hat. Man versucht einander zu verstehen. Die Spannungen sind nicht mehr so groß. Man hofft, dass der Frieden kommt. Aber das braucht viel Zeit.

Erleben Sie noch Ausgrenzung?

Es gibt immer noch Sammler, die nicht von mir kaufen wollen, weil ich Kurde bin. Aber insgesamt ist die Gesellschaft offener und lockerer geworden, auch die Kunstszene.

Was vermissen Sie, wenn Sie an Stuttgart denken?

Mir fehlt die Demonstrationskultur. Als ich nach Deutschland kam, beindruckten mich die linken Demonstrationen für die kurdische Freiheitsbewegung. Und später fand ich die Bewegung gegen Stuttgart 21 toll. Ich war auf einigen Montagsdemos am Stuttgarter Bahnhof. Das Atelierhaus Nordbahnhofstraße, in dem ich gearbeitet habe, ist ja auch betroffen und wird demnächst abgerissen. Obwohl unser Protest nichts gebracht hat – diese Energie… das war schön! Das fehlt hier. Die Energie, auch mal aufzuschreien.

So etwas wäre hier nicht möglich?

Nein. Obwohl in Istanbul ähnlich große Bauprojekte stattfinden. Hier fehlt das Bewusstsein für eine Volksbewegung. Die meisten denken, die Regierung mache schon alles richtig.

Was sollte die Regierung für die Kurden tun?

Es muss ins Grundgesetz, dass das Land auch den Kurden gehört. An den Schulen sollte Kurdisch unterrichtet werden. Wir wollen unsere Sprache und Kultur offiziell leben dürfen. Ich bin kein Nationalist, aber der Gedanke, die Sprache meiner Vorfahren könne eines Tages einfach verschwinden, tut mir weh.

Das Interview wurde im April 2013 geführt und unterstreicht, wie überraschend die wenige Wochen darauf folgenden Großproteste auch für viele Menschen im Land kamen.

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